Chronik

Die Chronik

der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft 1652 e.V. Krefeld-Oppum

Quellen: J.M. Giesen „Oppumer Heimatbüchlein“, Dr. Linssen „Die Heimat“ 1928, S.250-S.259 und Unterlagen der Gesellschaft.

Zusammengefasst und fortgeschrieben ab dem 20. Jahrhundert von Hans-Joachim Hofer, Brudermeister der Gesellschaft

 

Schreibt man die Geschichte der Oppumer Schützen, so liegt darin auch zum großen Teil Heimatgeschichte.

Erstmals im Jahre 1068 erwähnt, hieß Oppum seinerzeit „Uphem“. Kaiser Heinrich IV. schenkte es 1072 u.a. dem Suitbertusstift in Kaiserswerth. Erst im 14. Jahrhundert spricht man dann von „Ophem“. In dieser Zeit ist es eine Hohnschaft unter Leitung eines Honnen, der auch als Schöffe in Linn tätig war. Er gehörte weltlich zu Linn und kirchlich zu Bockum.

Östlich eines alten Rheinarms gelegen, bestand Oppum aus etwa 60 Gehöften, alle an einer Straßenseite gelegen, der heutigen „Hauptstraße“.

Gute, aber auch schwere, ja sogar schwerste Zeiten haben unsere Vorfahren durchlebt. Gab es doch Jahrzehnte, in denen die Bevölkerung ständig von durchziehenden Kriegsscharen, abgesprengten Söldnertrupps und Vagabunden bedroht und ausgeplündert wurde. Die weiblichen Bewohner versteckten das Vieh und ihre Habe in den gegenüber liegenden Waldungen, während die Männer sich für die Verteidigung bereit hielten. So wurden sie gezwungen, sich stets in dem Gebrauch der Waffen zu üben, mit Pfeil und Bogen, der Armbrust und später mit der Feuerwaffe.

Daraus ergab sich, dass sie ihre Fähigkeiten auch gerne den Angehörigen und Nachbarn zeigten, also ein Wettschießen (Vogelschießen) veranstalteten. Der Beste wurde zum König „gewählt“. Das waren die ersten Anfänge der Schützen-Gesellschaft.

Wenn die Oppumer Schützen im Jahre 1928 bereits ihr 650 jähriges Bestehen feierten, so beruht das Gründungsjahr nur auf Mutmaßungen. Sicher ist allerdings, dass die Oppumer Schützengesellschaft zu den ältesten am Niederrhein gehört, auch, dass sie älter ist als 350 Jahre. Jedoch tritt sie erst 1652 öffentlich in Erscheinung. Der Anlass hierzu war eine „Tat“, welche die „Oppemer Schütten“ in der weiten Umgebung bekannt machte: Im Jahre 1650 wurde die Bockumer Fronleichnamsprozession, an der auch die Schützen teilnahmen, von einer großen Schar Freischärler aus dem Moerser Bezirk überfallen. Diese hatten Barrikaden in der Nähe von Sollbrüggen errichtet und hatten die Absicht, die Prozessionsteilnehmer aus zu plündern. Aber da hatten sie sich getäuscht! Unsere Oppumer Schützen, die bewaffnet waren, nahmen im Sturm die Schanzen und schlugen die Bande in die Flucht.

Aus Dankbarkeit für diese Heldentat dürfen die Oppumer Schützen von nun ab jeder Prozession voranziehen. Dieser Brauch hat sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erhalten. Aber auch ein „hoher Herr“ hörte von dieser „Tat“. Es war der Landesvater, Kurfürst Maximilian Heinrich von Köln, Herzog zu Bayern. Er schenkte den Oppumer Schützen das erste Silber, eine Platte mit anhängendem Vogel und der Aufschrift „Der Schütten Silber zu Oppem 1652“

Übrigens waren die Kurfürsten, die Erbauer der Burg Linn, dem nördlichsten Eckpfeiler ihres Landes, häufig als Jagdgäste im Oppumer Busch. Das Geschenk sollte aber auch gleichzeitig die männliche Bevölkerung anregen, weiter wett zu eifern; legten sie doch großen Wert darauf, dass die Bewohner sich im Falle feindlicher Überfälle selbst zur Wehr setzen konnten. Die Verberger, Bockumer und Oppumer Schützen bildeten demnach eine Interessengemeinschaft und hatten den Hl. Sebastianus als ihren Schutzpatron erkoren.

Wir schreiben das Jahr 1652. Vier Jahre sind seit der Beendigung des „Dreißigjährigen Krieges“ durch den Friedensschluss zu Münster vergangen. Schreckliche Zeiten haben unsere Vorfahren mit gemacht, ganze Landstriche waren ausgerottet. Aber nun atmete man auf. Keine Chronik beschreibt die wahren Leiden und Heldentaten der Oppumer und vor allem der Schützen. Aber mit dem Geschenk des Kurfürsten treten die Sebastianer doch mehr und mehr in den geschichtlichen Vordergrund. Zwar sind die ersten Aufzeichnungen nicht mehr vorhanden, aber ein kluger Schützenbruder mit Namen Büllges (Böllges), dessen Protokollbuch, angefangen im Jahre 1745, noch vorhanden ist, hat manches nachgeholt. Vor allem hat er ein Verzeichnis der vorhandenen Silberplatten aufgenommen. Damals wie heute hat jeder König der Gesellschaft eine Silberplatte zu stiften.

Dies belegt auch die Schießordnung vom 07. Mai 1837. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts muss es außerdem sehr ausschweifende Feste der Oppumer Schützen gegeben haben. Nicht von ungefähr beinhaltet diese Ordnung genaue Verhaltensregeln auch in Bezug auf den Alkoholkonsum beim Vogelschuss.

Es folgt nun ein Auszug aus der Schießordnung des Jahres 1837, die in der Sache heute noch in weiten Teilen gilt:

 

  1. Jeder Einheimische und Fremde, welcher in der Gemeinde wohnt, kann Anteil am Vogelschießen nehmen, nur muß jeder, ein diesem Vergnügen gemäß, erreichtes Alter haben und wenigstens nicht minderjährig sein. Verte
  2. Ein jeder darf nur für seine Person und nicht für andere schießen.
  3. Die Kugeln dürfen nicht über 11/2  Loth. schwer sein, noch viel weniger darf mit Stücke Eisen oder sonst in Stücke zerschlagenes Eisen oder Blei sein.
  4. Jeder Mitschießende zahlt acht Sgl., wovon einheimische Männer aber frei sind. Einheimische Junggesellen aber so wie Fremde, welche in der Gemeinde wohnen, zahlen wie gesagt acht Sgl. Verziehen selbige aber, auch für eine noch so kurze Zeit, aus der Gemeinde, so sind selbige aus der Schützengesellschaft ausgeschlossen und können nur bei  bei nochmaliger Zahlung von acht Sgl eingeschrieben werden.
  5. Derjenige, welcher den Vogel abschießt, erhält von den 8 Sgl. a Person der Mitschießenden 3 Sgl. Hiervon muß er eine Platte von 2 Thl., und zwar 13 Loth. Silber ein für allemal an dem bestehenden Oppumer Schützensilber, schenken. Benannte Platte kann in beliebiger Form gemacht werden und muß am ersten Kirmestage des laufenden Jahres an die Schützenmeister vorgezeigt werden: ist dieselbe für gut befunden, so werden ihm, nämlich demjenigen, welcher den Vogel abgeschossen hat, die übrigen silbernen Platten für die ersten drei Kirmestage des laufenden Jahres unter Bürgschaft zum umhängen gegeben; die Platte, welche er gibt, bleibt ihm, bis die Kirmestage gehalten sind: alsdann muß er an die Bürgen des Silbers abgeben, widrigenfalls derselbe aber zur Zahlung von zwei Thaler angehalten werden kann.
  6. Wird während den Kirmestagen ein Aufzug gehalten und die Ranglisten werden ausgeboten, so fällt dies Geld in die Schützenkassen und zu allenfallsigen Unkosten, welche das Vogelschießen verursacht, bestimmt bleibt, worüber die Schützenmeister jederzeit Rechnung ablegen müssen.
  7. Als Schützenmeistern sind Theodor Hellenbroich und Heinrich Zegen von hier gewählt, und haben während des Vogelschießens strenge darauf zu sehen um Unglück zu verhüten. Jeder Mitschießende ist gehalten, den p. Schützenmeistern, wo es von denselben für notwendig erachtet wird, sogleich Folge zu leisten, widrigenfalls solche aus der Schützengesellschaft ausgeschlossen werden.
  8. Während dem Vogelschießen dürfen keine geistigen Getränke an den Mitschießenden verabreicht werden, noch viel weniger dürfen Betrunkene als Mitschießer angenommen werden.
  9. Es ist von nun an allen verboten, mag er sein wer er will, wenn er Forderungen zu haben glaubt oder zu machen hat, sich an dem bestehenden Schützensilber zu erholen, oder dasselbige zum Unterpfande zu behalten.
  10. … (Es folgen die Bürgen, Aufbewahrer und diesjähriger König, Heinrich Haßlach.)

 

Das 20. Jahrhundert war geprägt von zwei Weltkriegen. Während die Vereinstätigkeit der Gesellschaft von 1914 bis 1920 wegen der Kriegswirren des ersten Weltkrieges ruhte, wurde sie Anfang der 30´ger Jahre von den Nationalsozialisten verboten.

Erfreulich in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war die Gründung eines eigenen Schützen-Trommlercorps im Jahre 1925 durch Willi Hermann Heß, das auch heute noch sehr erfolgreich und angesehen ist.

Im Jahre 1948 gründete sich die St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft nach dem Naziverbot wieder, allerdings trat sie nicht mehr dem heutigen Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften bei. Dies hatte in erster Linie zwei Gründe: Zum einen hatte der zweite Weltkrieg viele Familien auseinander gerissen und neue Lebensgemeinschaften entstehen lassen, die nicht dem Familienbild der Katholischen Bruderschaft entsprachen, zum anderen durften zu diesem Zeitpunkt noch keine Frauen Mitglied sein. Deren Mitgliedschaft aber war dem seinerzeitigen Vorstand wichtig, ja unverzichtbar.

Mit diesem Beschluss legte die Gesellschaft den Grundstein für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, deren gesetzliche Gleichstellung erst zehn Jahre später bundesweit erfolgte. Gleichwohl bekannte sich die St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft in den folgenden Jahrzehnten zu den Grundsätzen von Glaube, Sitte und Heimat.

Auch das Gemeinschaftsleben in der Gesellschaft blühte in den Nachkriegsjahren neu auf.

So wuchs die Gesellschaft nach und nach bis auf heute elf Gruppen bestehend aus den Fahnenoffizieren, der Artillerie, der Jägerkompanie, der Hubertuskompanie, dem I. Oppumer Amazonencorps, den Roten Husaren, der Generalität, der Königsreiter, der Ärzte und Apotheker und dem Oppumer Schützentrommlercorps 1925 e.V..

1994 besannen sich die St. Sebastianus Schützen auch auf ihre sportlichen Fähigkeiten und gründeten quer durch alle bisherigen Gruppen mit 15 Schützenschwestern und Schützenbrüdern eine sehr aktive und erfolgreiche Sportschützengruppe. Es dauerte nicht lange, bis sich die Sportschützen für die Bezirksliga qualifizierten und sich bis heute sogar erfolgreich an den Landesmeisterschaften beteiligen.

So war es nicht verwunderlich, dass die Stadt Krefeld der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft bei der Errichtung einer neuen Schießsportanlage im Zuge des Neubaus der Sportanlage „Am Holderspfad“ zur Seite stand. In zahlreichen Stunden Eigenleistung wurde eine Schießanlage mit 10 Bahnen für Luftgewehr und Luftpistole errichtet, die beste Voraussetzungen bietet für eine sportlich erfolgreiche Zukunft.

Die Arbeit der jungen Sportschützengruppe wurde bereits im Jahre 2003 mit der Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Rau, durch den damaligen Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Michael Vesper, an die St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft gewürdigt.

Auch das Oppumer Schützentrommlercorps 1925 e.V. zog 2002 in die gemeinsamen Räumlichkeiten im Keller der Sportanlage ein. In den folgenden fünf Jahren wuchsen die Oppumer Schützentrommler von knapp zwanzig Spielleuten durch eine intensive und erfolgreiche Jugendarbeit auf über fünfzig vor allem jüngere Spielfreunde an und wurde im Jahre 2005 sogar Spielmannszug der Prinzengarde der Stadt Krefeld.

Fast sechzig Jahre nach dem Beschluss im Jahre 1948, sich nicht mehr dem kirchlich orientierten Bund anzuschließen, wurde die Gesellschaft am 15. Oktober 2006 aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der Jahreshauptversammlung vom 12. März 2006 mit einer festlichen Messe in der Pfarrkirche zu den Heiligen Schutzengeln Oppum auf eigenen Wunsch feierlich in die Gemeinschaft des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Köln e.V. aufgenommen.

Die Oppumer St. Sebastianus Schützen setzten mit diesem Schritt ein deutliches Zeichen für die traditionellen Werte wie Glauben, Sitte und Heimat in einer Zeit, in der diese Werte mehr und mehr in den Hintergrund zu treten scheinen. Die Gleichstellung von Schützenschwestern und Schützenbrüdern in der katholischen Bruderschaft kamen ihnen dabei sehr entgegen.

Jetzt gilt es, diese Werte auch zu leben durch Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und ein klares Bekenntnis zur Tradition des Schützenwesens orientiert an einem christlichen Menschenbild.

Zum ersten Mal in der Geschichte der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft 1652 e.V. Krefeld-Oppum wird am 21. September 2008 anlässlich des alle zwei Jahre stattfindenden Erntedankfestes ein Schüler- und Jungschützenschiessen auf dem Bauernhof Kilders ausgetragen. Dabei setzten sich Franziska Feld als Schülerprinzessin und Sarah Schulz als Jungschützenprinzessin eindrucksvoll gegen ihre männlichen Mitbewerber durch und wurden auf dem Patronatsfest  am 25. Januar 2009 gebührend in ihr Amt eingeführt. Zuvor wurden die Amtsketten in einem feierlichen Gottesdienst in der Schutzengelpfarre von Pastor Dr. Josef Berger gesegnet. Beim Schützenfest vom 27. bis 31. August 2009 repräsentieren sie erstmals die Jugend der Schützen-Gesellschaft im amtierenden Königshaus von Michael II. und Almuth (Kempkes) – ein wichtiger Schritt für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Im Jahre 2010 drehten die männlichen Bewerber den Wettstreit um Prinzenwürde prompt um: Sebastian Rusch wurde Schülerprinz und Andraes Hofer Jungschützenprinz. Die beiden begleiteten das Königshaus von Michael II. und Almuth (Kempkes) nicht nur während ihrer zweiten Amtszeit beim Schützenfest 1011.

Sie erlebten auch einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft 16 52 e.V. Krefeld-Oppum als mit Alexandra Breuer-Bozicevic am 05. September 2011 erstmals eine Frau beim Vogelschiessen die Königswürde unserer Bruderschaft erringen konnte. Ihr Ehemann Igor ist damit der erste Prinzgemahl der Gesellschaft.

Im Jahre 2013 führte mit Alexandra Breuer-Bozicevic somit auch erstmals eine Monarchin beim Schützenfest das Oppumer Regiment. Pünkzlich zu diesem Schützenfest gründeten Lara Mertens, Gina Tichelkamp und Jungschützenmeisterin Sarah Schulz eine Fahnenschwenkergruppe, die dringend noch Nachwuchs benötigt.

Die Zeiten vor einem Schützenfest scheinen für Neugründungen gerade in den letzten Jahren sehr begehrt zu sein. Ebenfalls rechtzeitig vor dem Schützenfest 2015 haben sieben junge Oppumer eine weitere neue Gruppe gegründet: Ab sofort ist bei den 1. Oppumer Rebellen „Kampf“ auf allen Ebenen angesagt. Sie sorgen als 13. Gruppe unserer Bruderschaft bereis jetzt für die nötige Stimmung. Ja dann: Für die Zukunft viel Erfolg!